Krankheitsnarrative in Oksana Vasjakinas Trilogie «Rana», «Step’» und «Roza»
Type
conference paper
Date Issued
2025-08-30
Author(s)
Abstract
Die Literatur spielt eine entscheidende Rolle in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus wie Krankheit, Sterben und Trauma, indem sie eine neue Sprache für das Unsagbare entwickelt – eine Aufgabe, die im Zentrum literarischen Schaffens steht. Die zunehmende Verwendung autofiktionaler und autobiografischer Formen in der postsowjetischen Literatur, wie bei Oksana Vasjakina, ermöglicht eine besonders dichte Verbindung zwischen individuellem Erleben und gesellschaftlicher Norm. Vasjakinas Trilogie Rana, Step’ und Roza reflektiert und hinterfragt bestehende Narrative über Krankheiten wie Krebs, HIV, Tuberkulose und Depression, die nicht nur als medizinische Phänomene, sondern auch als Träger sozialer, symbolischer und moralischer Bedeutungen erscheinen. Der Ansatz der narrativen Ethik eröffnet neue Perspektiven auf die literarische Darstellung von Krankheit: Er zeigt auf, wie Erzählformen moralische und soziale Vorstellungen nicht nur reproduzieren, sondern auch infrage stellen können. Vasjakinas Werk fungiert somit als kollektives Erinnerungs- und Verarbeitungsmedium für marginalisierte Erfahrungen von Krankheit, Schmerz und Verlust – Erfahrungen, die im öffentlichen Diskurs oft unterdrückt oder verdrängt werden. In dieser Trilogie wird der Tod der Mutter, des Vaters und der Tante als autofiktionale Trauerarbeit thematisiert. Die Texte verbinden biografische Realität mit literarischer Imagination und bewegen sich dabei zwischen Fakt und Fiktion. Mit assoziativen, nichtlinearen Erzählstrukturen und einer Vielzahl von Textsorten – von Essays und Erinnerungen bis zu lyrischen Fragmenten – spiegelt das Werk die Fragmentierung subjektiver Erfahrung im Umgang mit Verlust wider.
Language
German
Event Title
XVIIth International Congress of Slavists
Event Location
Sorbonne Université, Paris
Event Date
25 August - 30 August 2025