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  4. Zur politischen Legitimation von Expertise: ein Vergleich von Corona-, Euro- und Klimakrise
Details

Zur politischen Legitimation von Expertise: ein Vergleich von Corona-, Euro- und Klimakrise

Type
conference paper
Date Issued
2021-08-28
Author(s)
Hirschi, Caspar  
Abstract (De)
Liberale Demokratien haben eine Stärke, die in akuten Krisen zur Schwäche werden kann: die breite Abstützung und der mehrstufige Ablauf ihrer Entscheidungsprozesse. In ihrer verfahrensgestützten Langsamkeit liegt die spezifische Input-Legitimation demokratischer Systeme. Aus diesem Grund weiten sich akute Krisen in Demokratien leicht zu politischen Krisen aus. Die Erfordernisse der Krisenbewältigung rühren an die Grundlagen der demokratischen Legitimationsstiftung, geht es doch um ein schnelles Eingreifen mit massiver Hebelwirkung. Anders formuliert: In Krisen sind Mechanismen zur Erzeugung von Output-Legitimation gefragt, die mit der Input-Legitimation von Demokratien zu kollidieren drohen.

Anders als für Diktaturen und Autokratien gibt es für Demokratien auch in akuten Krisen keine Entlastung von der doppelten Aufgabe, gleichzeitig Input- und Output-Legitimation zu erzeugen. Betrachten wir die spezifischen Herausforderungen, die Krisen an Demokratien stellen, unter dem Aspekt der Input- und Output-Legitimation, können wir besser verstehen, welche Absichten und Funktionen mit wissenschaftlicher Expertise verbunden sind. Die These dieses Beitrags lautet, dass sie kollidierende Erfordernisse von Input- und Output-Legitimation auszugleichen oder zumindest übertünchen soll, indem sie zum einen eine kompetente Hochgeschwindigkeitspolitik gewährleistet, die mit dem Tempo einer akuten Krisendynamik mithält, und zum andern eine demokratische Stellvertreterdebatte in der Gestalt eines wissenschaftlich fundierten Richtungsstreits ermöglicht, um den Schein eines argumentativ getriebenen Ringens um politische Entscheidungen zu wahren. Für ersteres soll Expertise möglichst homogen, für letzteres möglichst heterogen, ja pluralistisch erscheinen.

Auffällig ist nun, dass die drei großen Krisenerfahrungen der letzten zehn Jahre – die Eurokrise, die Klimakrise und die Coronakrise – mit fundamental unterschiedlichen Formen der Legitimationserzeugung durch Expertise verbunden waren. Diese Unterschiede zu rekonstruieren und legitimationstheoretisch zu erklären, nimmt sich der Beitrag vor.
Language
English
HSG Classification
contribution to practical use / society
HSG Profile Area
SHSS - Kulturen, Institutionen, Maerkte (KIM)
Event Title
Post-Corona-Gesellschaft? Pandemie, Krise und ihre Folgen. Gemeinsamer Soziologiekongress
Event Location
Wien
Event Date
23-25.8.2021
URL
https://www.alexandria.unisg.ch/handle/20.500.14171/110077
Subject(s)

political science

cultural studies

Division(s)

SHSS - School of Huma...

Eprints ID
263448
Support
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