Russland war schon immer eine expansive Macht
ISSN
0376-6829
Type
newspaper article
Date Issued
2025-05-09
Author(s)
Abstract
Putin verschleiert seine imperialen Pläne wie die Zaren. Man gibt vor, die überfallenen Staaten zu befreien. Von Ulrich M. Schmid Ist Russland eine aggressive Nation? Vier Tage vor dem russischen Überfall auf die Ukraine behauptete der Kremlsprecher Dmitri Peskow, ohne mit der Wimper zu zucken, Russland habe «während seiner ganzen Geschichte nie jemanden angegriffen». Und nachdem die Wirklichkeit Peskows Beschwichtigungen bereits Lügen gestraft hatte, predigte der russische Patriarch Kirill im Mai 2022: «Wir wollen mit niemandem Krieg haben. Russland hat nie jemanden angegriffen. Das ist erstaunlich, wenn ein grosses und mächtiges Land nie jemanden angreift, sondern nur seine Grenzen verteidigt.» Man könnte Peskows und Kirills Aussagen als billige Propagandalügen abtun. Allerdings bedienen die beiden Putin-Marionetten ein Stereotyp, das in der russischen Gesellschaft weit verbreitet ist. Die Wurzeln des Mythos der «Friedensmacht Russland» reichen weit in die Sowjetzeit hinein. Der Lyriker Jewgeni Jewtuschenko, der in den sechziger Jahren ganze Fussballstadien füllte, gab in seinem Gedicht «Wollen die Russen Krieg?» einer breiten Überzeugung eine Stimme, als er dichtete: «Fragt die toten Soldaten, die unter den Birken liegen, und ihre Söhne werden sagen, ob die Russen Krieg wollen.»
Language
German
Publisher
Neue Zürcher Zeitung
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32
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32
Pages
1
Subject(s)
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Name
Texterscheinung_334072105.html.pdf
Size
75.02 KB
Format
Adobe PDF
Checksum (MD5)
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