Nachhaltigkeit im Alpintourismus - Ski-WM und Gletscherskigebiete
Journal
IDT-Blickpunkte
Type
newspaper article
Date Issued
1999-08-01
Author(s)
Abstract (De)
Der Begriff der Nachhaltigkeit wird für die Beurteilung von Grossprojekten immer wieder verwendet. Nachhaltigkeit ist zu einem eigentlichen Modewort geworden, mit der Gefahr, vielfach nur eine Worthülse zu bleiben. Was aber bedeutet Nachhaltigkeit? Ursprünglich stammte der Begriff aus der Forstwirtschaft und meinte, dass nur soviel Holz genutzt werden soll, wie nachwächst. Das sowohl quantitativ wie auch qualitativ. Heute versteht man unter Nachhaltigkeit eine Entwicklung, die wirtschaftlich ergiebig, umweltverantwortlich und sozialverträglich verläuft. Eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne die Optionen der Befriedigung der Bedürfnisse der künftigen Generationen zu beschränken. Für die Ski WM 2003 in St.Moritz-Pontresina-Engadin wird in Zusammenarbeit mit der Universität Bern, der Universität Zürich und unserem Institut im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung sichergestellt, dass nicht nur Effekte kurzfristiger Nutzen für einzelne Gruppen oder Regionen auftreten, sondern dass auch ein langfristiger Nutzenüberschuss für das weitere Engadin wie auch indirekt für den alpinen Tourismus und den Wintersport im allgemeinen resultieren können. Die Ski WM als Chance für die Ökologie? Konkrete Bedingungen für eine nachhaltige ökologische Entwicklung sind bespielsweise, ein attraktives Angebot des öffentlichen Verkehrs, ein Verkehrsmanagementkonzept mit innovativen Ideen, oder der Aufbau eines Umweltmonitorings zur Beurteilung ökologischer Effekte. Im Bereich der ökonomischen Nachhaltigkeit geht es darum, nur Infrastrukturen zu erstellen, die auch nachher sinnvoll und ertragbringend genutzt werden können. Die WM soll zu einem eigentlichen Unternehmerschub im Oberengadin führen. Zu diesem Zweck sollen Aufträge soweit sinnvoll und zulässig im Oberengadin vergeben werden, und durch die Bereitstellung von vergünstigtem Gewerbeland Gründungen erleichtert werden. Weitere Bedingungen einer wirtschaftlichen Nachhaltigkeit sind beispielsweise, ein geschicktes Besuchermarketing, eine konstante Preispolitik, eine proaktive Information der Stammgäste, eine imagemässige Koordination zwischen den Marken, eine proaktive Pressarbeit, der Aufbau von Wissensdatenbanken, sowie der Aufbau von Unternehmensnetzwerken. Bei der sozio-kulturellen Nachhaltigkeit geht es primär darum, breite Kreise als Partner, als Helfer oder als stille Nutzniesser einzubinden. Weitere Indikatoren einer sozialverträglichen Entwicklung sind beispielsweise, das Tourismusbewusstsein, die Stärkung der kulturellen Identität, die Informiertheit, die Mitsprache bei der Meinungsbildung, die soziale Stellung der ausgelösten Arbeitplätze, sowie die Optionen zukünftiger Generationen. Bei der Sozialverträglichkeit ist es demnach wichtig, die Betroffenen von Anfang an zu Beteiligen. In einem offenen Forum wurde vor Ort mit rund 100 Personen über Chancen und Gefahren, Stärken und Visionen des Grossanlasses diskutiert. Einige Bedenken kamen zu den Bereichen Umwelt (Zielgelände im Bereich von Moorlandschaften), Verkehr (Anreise, Zubringer, Flugplatz Samedan), regionales Denken (fehlende Begeisterung der Bevölkerung, fehlende Zusammenarbeit der Touristiker), Finanzierung (fehlende Transparenz bei den Finanzen, allfällig zu leistende Defizitgarantien), und Information (spärlich fliessende Informationen). Bei den Stärken und Visionen des Anlasses wurde das regionale Denken, der Kitt bei der Bevölkerung oder die Möglichkeit, Begeisterung auszulösen, genannt. Auf der Basis der aufgedeckten Probleme und der erkannten Potentiale geht es in einem weiteren Schritt nun darum, die für die Umsetzung notwendigen Schlüsselprojekte zu identifizieren.
Language
German
HSG Classification
contribution to scientific community
Refereed
No
Publisher
IDT-HSG
Publisher place
St. Gallen
Number
1
Start page
11
Subject(s)
Eprints ID
14176