Don Quijote und die Wirtschaftswissenschaften. Praktische Kritik an einer unpraktischen Wissenschaft - Eine wissenschaftliche Streitschrift
Type
working paper
Date Issued
1989-01-01
Author(s)
Holleis, Wilfried
Abstract (De)
In dieser Arbeit wird der die Wirtschaftswissenschaften durch ihre Geschichte begleitenden Frage nachgegangen, wie "praktisch" diese Wissenschaften (Volks- und Betriebswirtschaftslehre) in ihrer institutionalisierten Form an Universitäten in ihrem gegenwärtigen Entwicklungsstand sind bzw. sein können. Die dabei zum Ausdruck kommende Perspektive ist in den heutigen Wirtschaftswissenschaften selten anzutreffen: Neben die übliche Perspektive "von innen", also als Wirtschaftswissenschafter, tritt die Perspektive "von aussen", also jene aus der Sicht wirtschaftlicher Praxis. An einer Arbeit der deutschsprachigen Unternehmenskulturforschung wird exemplarisch vorgeführt, welch (geringen) Wert diese Art von Literatur für die Bewältigung konkreter Aufgaben konkreter Menschen in der Wirtschaftspraxis tatsächlich hat - im Gegensatz zu der eminenten Bedeutung, die das Phänomen "Unternehmenskultur" immer schon in der Organisationspraxis (wenn auch anders benannt) hatte und hat. Daraus abgeleitet wird das Problem des Theorie-Praxis-Verhältnisses in den Wirtschaftswissenschaften näher definiert und versucht, sowohl die Stärken wie die Schwächen der gegenwärtigen Konzeption von Wirtschaftswissenschaft herauszuarbeiten. Weiters wird ein Blick auf die Praxis des wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsbetriebes geworfen, der heute in Zeiten einer nie dagewesenen Vervielfachung der Anzahl an Publikationen, des Szientismus, aber gleichzeitig der Ideologiegeladenheit und des administrativen (Selbst-)Overkills der Universitäten vor völlig neuen Herausforderungen steht. Die Analyse kommt zum Ergebnis, dass die Wurzeln des Problems vor allem einmal in der herrschenden, naturwissenschaftlich beeinflussten wissenschaftstheoretischen Grundkonzeption der Wirtschaftswissenschaften zu suchen sind und zum zweiten in Faktoren begründet liegen, die aus der gegenwärtigen Form der Institutionalisierung der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten resultieren. Die Situation der akademischen Wirtschaftswissenschaften kommt in die Nähe jener Don Quijotes: Man bewegt sich zu sehr in einer Scheinwelt, einer (schlechten) Bücher- und Zitatenwelt, der der Kontakt zur Wirtschafts- und Gesellschaftsrealität verloren zu gehen scheint. Schliesslich werden im Schlusskapitel der Arbeit (Abschnitt 5) konkrete Vorschläge zur Reform der Wissenschaftskonzeption wie des Wissenschaftsbetriebes in den Wirtschaftswissenschaften vorgelegt.
Language
German
HSG Classification
contribution to scientific community
Refereed
No
Subject(s)
Eprints ID
17527