Evaluation der Logik und Wirkungsweise von Programmen und Projekten - Der Nutzen einer Jagd nach versteckten und unrealistischen Annahmen
Journal
Berufsbildung
ISSN
0005-9536
Type
journal article
Date Issued
2005-04-25
Author(s)
Behrendt, Heiko
Abstract (De)
Jedem Programm geht eine Phase impliziter oder expliziter Analyse voraus. Probleme werden gesehen oder analysiert, die mit einem Programm gelöst oder vermindert werden sollen. Bereits die Art und Form der Analyse enthält Annahmen, basierend auf einem Modell von der Wirklichkeit. Die Interpretation der Analyse ergänzt oder ersetzt teilweise die Annahmen. An diesem Punkt werden die Grundzüge eines Programms gelegt: Die Annahmen über das zentrale Problem, über die Lösung und die Wirkungsweise sind in diesem Stadium schon im Kopf oder auf Papier formuliert. Vor der Umsetzung steht aber noch die Durchsetzung und Finanzierung. Jetzt kommen Annahmen und Erwartungen aus dem gesellschaftlichen und politischen Umfeld hinzu, die berücksichtigt werden müssen, um ein Programm durchsetzen und finanzieren zu können. Die Annahmen und Erwartungen werden in die Programmlogik eingebaut, um es mehrheitsfähig zu machen. Darin enthalten sind bereits mehr oder weniger konkrete Vorstellungen über die Wirkungslogik, meist über die Art und Weise der geplanten Umsetzung.
Spätestens nach der Genehmigung und Finanzierung wird die Idee und die Logik eines Programmes kaum noch hinterfragt. Allerdings sorgt der in den letzten Jahren gestiegene Legitimitäts- und damit Evaluationsdruck dafür, dass genauer hingeschaut wird. Es werden aber zum Teil noch Programme evaluiert, ohne ihre Idee und Logik auf ihren Realitätsgehalt zu prüfen.
Wird ein Programm gestartet, haben sich in der Regel drei Vorstellungen bzw. Modelle etabliert, auf denen es beruht. Sie bilden die Programmtheorie aus programmauslösenden und programmtreibenden Annahmen:
1. Modell des Problems und der Lösung (Stichworte: Problemlösungslogik, Wirkungslogik, Programmtheorie, Bedarf, Sinnmodell)
2. Durchsetzungslogik (kommunizierte Logik, um ein Programm politisch durchsetzen und starten zu können, Wirkungsannahmen, Effizienzannahmen)
3. Modell der Umsetzung (Implementierungslogik, Umsetzungslogik, Wirkungsweise).
Die Frage ist: Wie lassen sich versteckte und unrealistische Annahmen entdecken? Als erstes können programminterne oder -externe Personen einfache Fragen stellen, die das Selbstverständliche in Frage stellen. Idealerweise geschieht dies natürlich in einer Ex-ante-Evaluation, bevor es sozusagen zu spät ist. Hier sind beide, Interne und Externe, natürlich gefährdet, denn es wird unter Umständen das Programm selbst in Frage gestellt. Hier liegen allerdings auch die besten Möglichkeiten, um die Effizienz deutlich zu erhöhen. Eine solche Evaluation der Idee und Ausgangslogik kann gut durch die Befragung von Personen aus dem Umfeld oder von Kritikern geschehen.
Zweitens kann die Programmlogik mittels Modellierung überprüft werden. Dabei formulieren die EvaluatorInnen anhand eigener Vorstellungen ein Wirkungsmodell des Programms, ohne vorher auf die expliziten Annahmen zu schauen. Anhand dieses Modelles kann das tatsächlich zugrunde liegende Modell eines Programms in Frage gestellt werden. Dabei sollte nicht nur die sachliche Logik untersucht werden, sondern auch die Logik der Interessengruppen hinter dem Programm: Wer profitiert? Wer konkurriert um die Finanzen? etc.
Drittens können nicht-intendierte Wirkungen eines Programmes Anhaltspunkte dafür geben, in wie weit die Logik von der Realität abweicht.
Spätestens nach der Genehmigung und Finanzierung wird die Idee und die Logik eines Programmes kaum noch hinterfragt. Allerdings sorgt der in den letzten Jahren gestiegene Legitimitäts- und damit Evaluationsdruck dafür, dass genauer hingeschaut wird. Es werden aber zum Teil noch Programme evaluiert, ohne ihre Idee und Logik auf ihren Realitätsgehalt zu prüfen.
Wird ein Programm gestartet, haben sich in der Regel drei Vorstellungen bzw. Modelle etabliert, auf denen es beruht. Sie bilden die Programmtheorie aus programmauslösenden und programmtreibenden Annahmen:
1. Modell des Problems und der Lösung (Stichworte: Problemlösungslogik, Wirkungslogik, Programmtheorie, Bedarf, Sinnmodell)
2. Durchsetzungslogik (kommunizierte Logik, um ein Programm politisch durchsetzen und starten zu können, Wirkungsannahmen, Effizienzannahmen)
3. Modell der Umsetzung (Implementierungslogik, Umsetzungslogik, Wirkungsweise).
Die Frage ist: Wie lassen sich versteckte und unrealistische Annahmen entdecken? Als erstes können programminterne oder -externe Personen einfache Fragen stellen, die das Selbstverständliche in Frage stellen. Idealerweise geschieht dies natürlich in einer Ex-ante-Evaluation, bevor es sozusagen zu spät ist. Hier sind beide, Interne und Externe, natürlich gefährdet, denn es wird unter Umständen das Programm selbst in Frage gestellt. Hier liegen allerdings auch die besten Möglichkeiten, um die Effizienz deutlich zu erhöhen. Eine solche Evaluation der Idee und Ausgangslogik kann gut durch die Befragung von Personen aus dem Umfeld oder von Kritikern geschehen.
Zweitens kann die Programmlogik mittels Modellierung überprüft werden. Dabei formulieren die EvaluatorInnen anhand eigener Vorstellungen ein Wirkungsmodell des Programms, ohne vorher auf die expliziten Annahmen zu schauen. Anhand dieses Modelles kann das tatsächlich zugrunde liegende Modell eines Programms in Frage gestellt werden. Dabei sollte nicht nur die sachliche Logik untersucht werden, sondern auch die Logik der Interessengruppen hinter dem Programm: Wer profitiert? Wer konkurriert um die Finanzen? etc.
Drittens können nicht-intendierte Wirkungen eines Programmes Anhaltspunkte dafür geben, in wie weit die Logik von der Realität abweicht.
Language
German
Keywords
Evaluation
Annahmen
Wirkungsmodelle
Durchsetzungsmodelle
HSG Classification
not classified
Refereed
Yes
Publisher
Kallmeyer'sche Verlagsbuchh
Publisher place
Seelze
Number
91/92
Start page
38
End page
40
Pages
3
Subject(s)
Division(s)
Eprints ID
28788