Repository logo
Research Outputs
Projects
People
Statistics
  1. Home
  2. HSG CRIS
  3. HSG Publications
  4. Biografische Wendepunkte: Nicht-traditionelle Studierende und ihre Wege an eine Hochschule.
Details

Biografische Wendepunkte: Nicht-traditionelle Studierende und ihre Wege an eine Hochschule.

Type
conference poster
Date Issued
2025-07-02
Author(s)
Nathalie Graber  
Abstract (De)
Lebensläufe sind heute zunehmend komplexer und weniger vorhersagbar als früher (Alheit & Dausien, 2018. S. 886). Sie verlaufen häufig im Spannungsfeld gesellschaftlicher Anforderungen und individueller Lebensgestaltung. Nicht-lineare Bildungswege hängen eng mit der Lebensgeschichte zusammen und die Entscheidung für ein Hochschulstudium erfordert Fokus und Planung, da alte Gewohnheiten schwer abzulegen sind (Schütze, 1981, S. 76). Dies betrifft besonders nicht-traditionelle Studierende, die ihren Hochschulzugang nicht über den ersten Bildungsweg beschreiten und häufig mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert sind. Dabei werden neben institutionellen Barrieren (z. B. Zugangsanforderungen) auch situative (z. B. familiäre Verpflichtungen) und dispositionelle Barrieren (z. B. Selbstvertrauen) betrachtet, die in den Biografien der Studierenden verankert sind. Trotz dieser Barrieren schaffen es einige nicht-traditionelle Studierende, erfolgreich ein Hochschulstudium aufzunehmen. Es wird untersucht, wie nicht-traditionelle Studierende ihre Entscheidung für ein Hochschulstudium im Kontext biografischer Wandlungsprozesse rahmen – und welche Orientierungen im Umgang mit lebensgeschichtlichen Herausforderungen rekonstruiert werden können.

Theoretischer Hintergrund: Biografizität (Alheit & Dausien, 2018, S. 888) beschreibt die Fähigkeit, Lebenserfahrungen zu einer kohärenten Lebensgeschichte zu integrieren und spielt eine zentrale Rolle bei der Anpassung von Bedeutungsperspektiven (Mezirow, 1997, S. 35). Solche Perspektivenwechsel geschehen oft durch Lebenskrisen oder bedeutsame Ereignisse. Wenn Handlungen nicht den erwarteten Ergebnissen entsprechen, erkennen wir die Notwendigkeit, über ein Problem nachzudenken. Lebenslanges Lernen ist eng verbunden mit dem Konzept der Biografizität, da es die fortwährende Integration von Erfahrungen in die persönliche Lebensgeschichte ermöglicht. Bildung wird in diesem Zusammenhang als transformative Kraft verstanden, die sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Weiterentwicklung ermöglicht (Marotzki, 2006).
Schütze (1981, S. 95) schlägt vor, den Begriff der Verlaufskurve als analytisches Konzept zu verwenden, um die Dynamik von biografischen Prozessen zu erfassen. Verlaufskurven repräsentieren die Wechselwirkung zwischen den Ereignissen im Leben einer Person und den Bedingungen, die diese Ereignisse beeinflussen. Negative Verlaufskurven (Fallkurven) werden von Schütze (1981, S. 146) als Einschränkungen des Handlungsspielraums beschrieben, während positive Verlaufskurven (Steigkurven) neue Möglichkeitsräume eröffnen. Die Biografizität ist die Integration und Synthese dieser Erfahrungen und trägt zur Bewältigung von Verlaufskurven und zur fortlaufenden Neugestaltung der persönlichen Sinnstruktur bei. Da Biografizität nicht nur das persönliche Leben formt, sondern auch zur Veränderung und Weiterentwicklung der Gesellschaft beitragen kann, ist Biografizität für Wandlungsprozesse unerlässlich. Die Art und Weise, wie Menschen ihre Erfahrungen und ihr Handeln biografisch konstruieren, gilt es in dieser Arbeit zu rekonstruieren.

Design und Methode: Die Theorien von Mannheim (1980) und Bohnsack (2017, 2021) stellen die Grundlage dar, um den Gegenstand dieser qualitativ-rekonstruktiven Forschung zugänglich zu machen. Die Datenerhebung erfolgte mittels autobiografisch-narrativen Interviews nach Schütze (1983). Im Rahmen der Dissertation werden dreizehn narrative Interviews mit nicht-traditionellen Studierenden (Alter: M = 44) analysiert. Diese Studierenden haben den Hochschulzugang über alternative Bildungswege erlangt und weisen nicht-lineare Bildungslaufbahnen auf. Für die Auswertung wird eine prozessanalytische Typenbildung mit der Dokumentarischen Methode vorgenommen, bei der Prozesse mit Prozessen kontrastiert und damit unterschiedliche Prozessverläufe typisiert werden.

Resultate und ihre Bedeutung: Der Posterbeitrag zeigt das methodische Vorgehen anhand eines Fallbeispiels aus einem laufenden Dissertationsprojekt beispielhaft auf und illustriert einen exemplarischen Zugang, wie biografische Herausforderungen und Transformationsprozesse analysiert werden können. Der Beitrag gibt ausserdem Einblicke in die vielfältigen Wege, die nicht-traditionelle Studierende erfolgreich in ein Hochschulstudium führen.
Language
German
Keywords
Nicht-traditionelle Studierende
Biografizität
Transformationsprozesse
Verlaufskurven
prozessanalytische Typenbildung
Event Title
Bildung in einer diversen und komplexen Welt: SGBF SGL Jahreskongress
Event Location
Luzern
Event Date
2.-4. Juli 2025
Official URL
www.sgbf2025.ch
URL
https://www.alexandria.unisg.ch/handle/20.500.14171/123255
Subject(s)

education

social sciences

Division(s)

IWP - Institute of Bu...

Contact Email Address
nathalie.graber@unisg.ch
File(s)
Thumbnail Image
Name

2025_07_Poster_IWP_CEDAR_Graber.pdf

Size

376.8 KB

Format

Adobe PDF

Checksum (MD5)

2cdbf956c00b6c9326aa5a048648e92f

Support
HSG researchers can find instructions here for adding or importing publications (DOI, ORCID). Please send questions to alexandria@unisg.ch

Built with DSpace-CRIS software - Extension maintained and optimized by 4Science

  • Accessibility settings
  • Privacy policy
  • End User Agreement
  • Send Feedback
Repository logo COAR Notify