Die oekonomische Bedeutung und die technischen Moeglichkeiten der Online-Kommunikation
Type
conference paper
Date Issued
1998-08-17
Author(s)
Schmid, Beat
Abstract (De)
Schnell vollziehe sich relativ Wichtiges, darin geht O. Jarren mit B. Schmid einig, dennoch stelle sich die Frage, inwiefern sich das Entwicklungstempo verschiedener Bereiche nicht doch unterscheide. Fuer die Oekonomie koenne sicherlich davon ausgegangen werden, dass die Veraenderungen durch die online-Kommuniktion gravierend seien. Fuer andere Bereiche muesse dies nicht per se gelten. Soziale Kommunikation erweise sich als etwas Stabiles, da wir Menschen uns soziale Ordnungen bewusst schafften und diese auch schuetzten. Wir Menschen haetten ein Beduerfnis nach sozialer Ordnung und suchten diese immer wieder, dies fuehre zu dem Charakter der sozialen Ordnung von Stabilitaet bei gleichzeitigem Wandel und erklaere auch deren Grenzen gegenueber Einfluessen von aussen.B. Schmid bejaht das Argument, dass wir Menschen in Gesellschaften eingebunden seien, was uns und die Gesellschaft definiere. Dies bedeute auch, dass sich diese soziale Ordnung nicht beliebig rasch veraendern lasse. Die Geschichte der sozialen Evolution aber zeige andererseits, dass die Menschen heute immer mehr parallel verschiedenen Gruppen angehoerten, wie Berufsgruppen, Kirche, Partei und aehnliches. Aber auch die Massenmedien haetten neue Raeume geschaffen, beispielsweise den Raum Olympiade, den Raum Formel 1; Raeume mit bestimmtem eigenen Rahmen, eigener Dramaturgie. Allerdings seien dies schwaechere Gemeinschaften, weil in ihnen die Interaktivitaet weitgehend fehle. Aber solche Gemeinschaften koennten sehr rasch entstehen, zu denken sei da an die Spiele der"Nintendo-Generation", wo die Kinder in einer eigenen Welt mit spezifischen Regeln spielten und untereinander auch darueber diskutierten.Die Auseinandersetzung mit dem Auseinanderdriften der Gesellschaft, wie sie sich gegenwaertig einstelle, die ungeheure Diversitaet, die sich dabei entwickle zu beobachten, sie unheimlich spannend. Wir wuerden, so sein Fazit, weniger in Gesellschaften hineingeboren, sondern entwickelten diese selbst. Diese so entstehenden Gesellschaften und Gemeinschaften gerieten dabei immer staerker zueinander in Konkurrenz. Insofern zeigt sich fuer B. Schmid kein gravierender Unterschied zu der Perspektive von O. Jarren. Die Differenzen bezoegen sich im Wesentlichen auf die Unterschiede in der Einschaetzung des Tempos und der Wirksamkeit der Veraenderungen.Ein Diskussionsteilnehmer moechte diese verschiedenen Veraenderungen differenzierter betrachten und schlaegt dazu eine Einteilung in drei Bereiche vor. Diese waeren der Geschaefts- und Wissenschaftsbereich, wo mit der Nutzung von e-mail und anderen Netzdiensten Wissen ueber den gesamten Erdball abrufbar und verteilbar werde. Einen zweiten Bereich definiert er als Freizeitbereich, so die spezifische Nutzung mit dem Wirtschaftsbereich in Kontakt gelange, hier stelle sich die Frage der Akzeptanz verschaerft. Entsprechend muesse vermutet werden, dass hier die Entwicklung für verschiedene Teilbereiche unterschiedlich schnell verlaufe. Der dritte Bereich waere das Internet als Medium, respektive Massenmedium. Hier sind die Analogien zu den frueheren Erwartungen an das Fernsehen zu beachten. Diese lehren uns, dass lediglich Nischen für die Bildung erwartet werden duerfen. Generell sei dies das Feld der"grossen Kommunikatoren", welche die Nutzer in ihrem Privatbereich anspraechen. In Bezug auf das Stichwort der virtuellen Gemeinschaften sei hier zurecht eine gewisse Skepsis angebracht. Allerdings muesse auch in Rechnung gestellt werden, dass eine juengere Generation gerade diese virtuellen Gemeinschaften viel spannender finde, als die ewigen Seifenopern des Fernsehens. Diese virtuellen Gemeinschaften seien nicht als etwas Grossartiges, Politisches zu sehen, sondern als Spiel. In diesen Massenbereich der Netzkommunikation werde massiv investiert, der Wirtschaftsbereich spiele da mit. Diese Phaenomen muesse im Auge behalten werden, aber an diesen Bereich sollten auch nicht zu hohe Erwartungen gestellt werden.B. Schmid sieht im Internet ein Medium, wie es das Papier sei, und damit Traeger von verschiedensten Dingen. Aber es sei intelligentes Papier, in dem sich ganze Prozesse einbetten liessen. Dies biete voellig neue Moeglichkeiten. Die damit verbundene Sprengkraft werde hierzulande eher unterschaetzt. Dies liege unter anderem daran, dass wir dies neue Medium durch die Brille der Erfahrung mit den Massenmedien betrachteten. Er sei davon ueberzeugt, dass einmal in historischer Betrachtung die Massenmedien als ein sehr singulaeres Phaenomen der Geschichte gesehen werde. Wohl muesse diesen"one-way-Medien" heute eine grosse Bedeutung in der Definition von Realitaet zugemessen werden, aber die Interaktivitaet, welche die neuen Medien bieten, werde dies veraendern. Um auf die soeben vorgeschlagene Unterteilung zurueckzukommen, koenne für den Wirtschaftsbereich einmal eine Prognose gewagt werden. Die Hierarchien, wie sie heute Organisationen auszeichneten, erwiesen sich insofern als ein Funktion der Medien, also vor allem von dem Informationsträger Papier, aber auch des Informationstraeger Mensch selbst. Diese Organisationsform werde sich aendern mit der Virtualisierung ? oder auch Molekularisierung, wie dies gelegentlich benannt werde. Das Kundengeschaeft aendere sich in die Richtung, dass sich communities bildeten zwischen Kunden und Lieferanten, wo weniger der Verkauf von Ware direkt Thema sei, sondern"entertainment" oder aehnliches dominiere. Die gegenwaertig scharfe Unterscheidung von Abreitszeit und Freizeit, zwischen Arbeitsplatz und Zuhause, zwischen Arbeit und Rekreation, würden so verwischt und neu definiert. Eine solche Entwicklung beinhalte viel gesellschaftliche Sprengkraft, da diese bei der Arbeit als einer zentralen Kategorie ansetze und für das physische wie psychische Wohl bedeutsam sei, denn von etwas muesse der Mensch ja auch leben und koenne sich so der Entwicklung gar nicht entziehen.
Language
German
Keywords
Media
HSG Classification
not classified
Refereed
Yes
Event Title
Nationale Schweizerische UNESCO-Kommission: Standortbestimmung Internet: Dokumentation von zwei Tagungen zum Thema Internet.
Event Location
Bern
Subject(s)
Division(s)
Eprints ID
9465