Porno-Pop : Sex in der Oberflächenwelt
Series
Film - Medium - Diskurs
ISBN
3-8260-2950-X
Type
book
Date Issued
2005
Editor(s)
Abstract (De)
Zehn Jahre nach den letzten Debatten um Pornografie, die mit dem Erscheinen von Catharine MacKinnons Buch "Nur Worte" (1994) und Drucilla Cornells Replik "Die Versuchung der Pornographie" (1995) auch in Deutschland geführt wurden, hat sich die "Kampfzone" (Michel Houellebecq) tatsächlich ausgeweitet.
Konnte Cornell trotz ihres Befundes fast allgegenwärtiger sexistischer Darstellungen noch für pornografiefreie Zonen wie im New Yorker West Village plädieren, in denen die Selbstachtung der Frau nicht infrage gestellt wird und sich das weibliche Imaginäre "entfesseln", von der Unterdrückung durch männliche Regeln und Fantasien befreien könnte, so wirkt dies heute schon gleichermassen überholt wie unmöglich.
Denn nicht nur sind Frauen in verschiedenen Repräsentationsformen (Film, Literatur, Musik) verstärkt dabei, sich das männliche Symbolische nicht nur "aufzwingen" zu lassen, sondern es sich anzueignen, umzucodieren - ohne Berufung auf das 'Andere' des weiblichen Imaginären - und weibliche Lust zu leben und zu artikulieren. Auch überzeugt heute die Verbindung nicht mehr, die Barbara Vinken 1995 zwischen der treffenden Beschreibung, Pornografie sei das "krasseste Beispiel" für einen seine Fiktionalität ausblendenden effet de réel, und dem Hunger nach 'Realität' "unserer auf Literalismus insistierenden Zeit" herstellte. Die Entwicklungen der dominant visuell kodierten Mediengesellschaften wie auch theoretisch die gemeinhin akzeptierte These vom "Pictorial Turn" lassen den "Literalismus" ex post als ein eher kurzfristiges Phänomen im Zuge der US-amerikanischen Political-Correctness-Debatten erscheinen.
Vor allem aber ist das Pornografische vollends aus den tabuisierten Räumen des tolerierten Verwerflichen an die Oberflächen der breiten Öffentlichkeit getreten; es pornoisiert den Mainstream, die Popkultur.
Konnte Cornell trotz ihres Befundes fast allgegenwärtiger sexistischer Darstellungen noch für pornografiefreie Zonen wie im New Yorker West Village plädieren, in denen die Selbstachtung der Frau nicht infrage gestellt wird und sich das weibliche Imaginäre "entfesseln", von der Unterdrückung durch männliche Regeln und Fantasien befreien könnte, so wirkt dies heute schon gleichermassen überholt wie unmöglich.
Denn nicht nur sind Frauen in verschiedenen Repräsentationsformen (Film, Literatur, Musik) verstärkt dabei, sich das männliche Symbolische nicht nur "aufzwingen" zu lassen, sondern es sich anzueignen, umzucodieren - ohne Berufung auf das 'Andere' des weiblichen Imaginären - und weibliche Lust zu leben und zu artikulieren. Auch überzeugt heute die Verbindung nicht mehr, die Barbara Vinken 1995 zwischen der treffenden Beschreibung, Pornografie sei das "krasseste Beispiel" für einen seine Fiktionalität ausblendenden effet de réel, und dem Hunger nach 'Realität' "unserer auf Literalismus insistierenden Zeit" herstellte. Die Entwicklungen der dominant visuell kodierten Mediengesellschaften wie auch theoretisch die gemeinhin akzeptierte These vom "Pictorial Turn" lassen den "Literalismus" ex post als ein eher kurzfristiges Phänomen im Zuge der US-amerikanischen Political-Correctness-Debatten erscheinen.
Vor allem aber ist das Pornografische vollends aus den tabuisierten Räumen des tolerierten Verwerflichen an die Oberflächen der breiten Öffentlichkeit getreten; es pornoisiert den Mainstream, die Popkultur.
Language
German
Keywords
Pornographisierung der Popkultur
�sthetiktheorie
Literatur- und Medienanalysen
Cultural Studies
HSG Classification
contribution to practical use / society
Refereed
No
Publisher
Königshausen & Neumann
Publisher place
Würzburg
Number
Bd. 8
Start page
208
Subject(s)
Eprints ID
50291