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Details

KI-Fortschrittsbarometer Schule: Erste Ergebnisse zur KI-Nutzung von Lehrpersonen

Series
1. Quartal
Type
book
Date Issued
2026-05-12
Author(s)
Seufert, Sabine
;
Mandana York
Abstract (De)
Die erste Smartfeld-Umfrage im Rahmen des EduAI Lab gibt einen Einblick, wie Lehrpersonen Künstliche Intelligenz derzeit im Schulalltag nutzen, wie sie ihre eigenen Kompetenzen einschätzen und welche Chancen und Herausforderungen sie mit KI verbinden. Befragt wurden 207 Lehrpersonen, vor allem aus der Primarstufe, der Sekundarstufe I und II. Die Ergebnisse zeigen eine bereits erkennbare Nutzung von KI, zugleich aber auch viele offene Fragen zur didaktischen Einbettung, zur Verantwortung und zur schulischen Verankerung.
Viele Lehrpersonen stehen dem Einsatz von KI grundsätzlich offen gegenüber. 82 Prozent der Befragten geben an, KI-Tools auch künftig einsetzen zu wollen. Der Nutzen wird bisher vor allem dort gesehen, wo KI den Arbeitsalltag erleichtert: 74 Prozent stimmen zu, dass KI ihnen hilft, Aufgaben effizienter zu erledigen. Genutzt wird KI insbesondere für Unterrichtsvorbereitung, fachliche Recherchen, die Strukturierung von Inhalten, die Entwicklung von Aufgaben sowie teilweise für administrative Tätigkeiten.
Weniger stark verbreitet ist der Einsatz von KI dort, wo sie unmittelbar in Lernprozesse der Schüler:innen eingebunden wird. KI wird bisher seltener direkt im Unterricht, zur Lernbegleitung, für Feedbackprozesse oder zur Unterstützung individueller Lernentwicklung genutzt. Besonders häufig kommen textbasierte generative KI-Anwendungen wie ChatGPT oder vergleichbare Systeme zum Einsatz. 59 Prozent der Lehrpersonen haben solche Anwendungen in den vergangenen vier Wochen genutzt. Andere Formen KI-basierter Anwendungen wie Bildgeneratoren, automatisierte Feedbacksysteme, KI-Tutoren oder KI-gestützte Lernplattformen spielen bisher eine deutlich kleinere Rolle. Damit beziehen sich die Nutzungserfahrungen vieler Lehrpersonen vermutlich vor allem auf generative Allzwecksysteme und weniger auf eigens entwickelte KI-Lernsysteme.
Insgesamt deutet sich damit ein Nutzungsmuster an, bei dem KI vor allem als Unterstützung für die Arbeit der Lehrpersonen eingesetzt wird. Der Schritt hin zu einer breiteren didaktischen Nutzung im Unterricht und zur gezielten Begleitung von Lernprozessen ist dagegen noch weniger ausgeprägt. Das ist nicht überraschend, verweist aber auf eine wichtige Entwicklungsaufgabe, KI-Nutzung stärker an Lernzielen und Unterrichtssituationen auszurichten.
Auch bei der Akzeptanz zeigt sich ein differenziertes Bild. Die persönliche Bereitschaft, KI zu nutzen, ist hoch. Der kollegiale Austausch und die schulische Verankerung sind hingegen noch weniger stark entwickelt. Zwar würden 58 Prozent der Lehrpersonen KI-Tools Kolleg*innen empfehlen, aber nur 25 Prozent planen, ihre Erfahrungen aktiv ins Lehrpersonen-Team einzubringen. KI-Nutzung scheint damit vielerorts noch eher individuell als gemeinschaftlich organisiert zu sein.
Die institutionellen Rahmenbedingungen werden unterschiedlich wahrgenommen. 72 Prozent der Lehrpersonen geben an, über die notwendige technische und organisatorische Infrastruktur zu verfügen. Gleichzeitig berichten 48 Prozent, dass es an ihrer Schule keine klaren Richtlinien zum Umgang mit KI gibt. Auch die aktive Unterstützung durch Schulleitungen wird zurückhaltend eingeschätzt: Nur 20 Prozent nehmen wahr, dass Führungspersonen den Einsatz von KI aktiv fördern.
Bei den wahrgenommenen KI-Kompetenzen schätzen sich die Lehrpersonen insgesamt im mittleren Bereich ein. Viele verfügen über erste Erfahrungen und ein grundlegendes pädagogisches Verständnis im Umgang mit KI. Unsicherheiten zeigen sich jedoch dort, wo KI fachlich, didaktisch und methodisch in konkrete Unterrichtssituationen integriert werden soll. Nur 36 Prozent geben an, Unterricht gestalten zu können, der KI-Tools, Inhalte und Lernmethoden sinnvoll kombiniert.
Besonders deutlich werden Unsicherheiten beim verantwortungsvollen Umgang mit KI. Viele Lehrpersonen fühlen sich noch nicht ausreichend sicher darin, Fragen der Fairness, Diskriminierungsfreiheit, Nachvollziehbarkeit und Verantwortung einzuschätzen. Nur rund ein Drittel gibt an, beurteilen zu können, ob KI-Tools Lernende fair und diskriminierungsfrei unterstützen. Ähnlich zurückhaltend fällt die Einschätzung zur Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen aus. Daraus ergibt sich weniger ein Bedarf an reinen Tool-Schulungen, sondern vor allem an professioneller Urteils- und Handlungssicherheit.
Mit Blick auf das Lernen der Schüler:innen nehmen Lehrpersonen KI ambivalent wahr. Einerseits sehen 63 Prozent eine Chance, Lernende individueller unterstützen zu können. 44 Prozent sehen Potenziale für selbstständigeres Lernen. Andererseits bestehen deutliche Bedenken: 65 Prozent befürchten, dass Schülerinnen Leistungen weniger eigenständig erbringen könnten, und 74 Prozent befürchten, dass Lernende durch KI weniger kritisch denken oder Inhalte weniger hinterfragen. Die Ergebnisse zeigen damit, dass KI aus Sicht der Lehrpersonen stark von ihrer pädagogischen Einbettung abhängt. Sie kann Lernprozesse unterstützen, kann aber auch problematische Formen der Auslagerung von Denken begünstigen.
Die eigene berufliche Rolle wird durch KI mehrheitlich nicht als bedroht wahrgenommen. Viele Lehrpersonen sehen KI eher als unterstützende Ergänzung. 64 Prozent stimmen zu, dass KI im schulischen Alltag entlasten und mehr Raum für pädagogische Aufgaben und individuelle Förderung schaffen kann. Ebenfalls 64 Prozent sehen KI als sinnvolle Ergänzung zur eigenen pädagogischen Expertise. Eine Sorge, dass KI die Lehrerrolle grundsätzlich ersetzt, ist kaum verbreitet: 89 Prozent lehnen die Aussage ab, dass durch KI kaum noch erfüllende Aufgaben für Lehrpersonen übrigbleiben könnten.
Aus den Befunden lassen sich vier Entwicklungsfelder für die Praxis ableiten. Erstens braucht es eine stärker didaktisch fundierte KI-Nutzung, die von konkreten Unterrichtssituationen ausgeht. Zweitens sollten Lehrpersonen darin unterstützt werden, KI-Ergebnisse, Risiken und Verantwortlichkeiten professionell einzuschätzen. Drittens rückt die Förderung von AI Literacy bei Lernenden in den Vordergrund. Schüler:innen sollen KI nicht nur verwenden, sondern Ergebnisse prüfen, vergleichen, begründen und reflektieren lernen. Viertens braucht es schulische Austausch- und Entwicklungsprozesse, damit individuelle Erfahrungen nicht isoliert bleiben, sondern zu gemeinsamer Unterrichts- und Schulentwicklung beitragen.
Insgesamt zeigt die Befragung: KI ist in vielen Schulen bereits präsent, wird aber bisher vor allem zur Unterstützung der Arbeit von Lehrpersonen genutzt. Der nächste Entwicklungsschritt liegt darin, diese Nutzung stärker mit Fragen des Lernens, der Verantwortung und der Unterrichtsqualität zu verbinden. Damit wird KI nicht nur als Werkzeug zur Arbeitserleichterung relevant, sondern auch als Impuls für die Weiterentwicklung von Unterricht, Lernkultur und professioneller Verantwortung.
Language
German
HSG Classification
contribution to education
Refereed
No
Start page
1
End page
28
URL
https://alexandria.unisg.ch/handle/20.500.14171/126082
Subject(s)

education

Division(s)

IBB - Institute for E...

Contact Email Address
mandana.york@unisg.ch
File(s)
Thumbnail Image
Name

Bericht_Smartfeld_LP_Umfrage_KI_Fortschrittsbarometer_Q1.pdf

Size

1.17 MB

Format

Adobe PDF

Checksum (MD5)

ebfc215fcabaf49245aa770cb04b066e

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